Vielleicht hast du schon mal ein Belohnungssystem bei Kindern ausprobiert und festgestellt, dass es nicht den gewünschten Erfolg bringt. Die ersten zwei Tage waren super, aber jetzt verstaubt die Tafel am Kühlschrank, dein Kind hat das Interesse verloren oder ihr diskutiert sogar noch mehr als vorher?
Atme tief durch: Das bedeutet nicht, dass die Methode gescheitert ist oder dein Kind „nicht mitmacht“. Oft sind es kleine Stolpersteine, die dafür sorgen, dass solche Programme nicht so wirken, wie sie könnten. In diesem Artikel schauen wir uns die häufigsten Fehler beim Belohnen an – und wie du dein System mit ein paar kleinen Anpassungen sofort wieder auf Kurs bringst, damit es für euch beide motivierend wirkt.
Häufige Fehler beim Belohnen: Daran scheitern die meisten Tafeln
Wenn wir Eltern eine Tafel basteln, wollen wir oft zu viel auf einmal. Lass uns prüfen, ob einer dieser 7 Punkte bei euch zutrifft.
Fehler 1: Du vergisst dein Kind zu loben
Ein Sternchen auf der Tafel ist toll – aber dein enthusiastisches Lob ist der eigentliche Motor für die Verhaltensänderung! Wenn du kommentarlos einen Haken auf der Liste machst, verpufft die psychologische Wirkung.
Viel wichtiger als der Punkt selbst ist das, was bevor du ihn einträgst passiert: Lobe dein Kind sofort und mit echter Begeisterung. Benenne ganz konkret, was es toll gemacht hat, und verbinde das mit einer positiven, non-verbalen Geste (z. B. einem High Five, einem Daumen hoch, einer Umarmung oder Abklatschen).
Eigentlich sind Belohnungssysteme nämlich vor allem eines: Eine geniale Erinnerungshilfe für uns Erwachsene, damit wir im stressigen Alltag nicht vergessen, unsere Kinder öfter auf frischer Tat bei etwas Gutem zu ertappen.
Wie du den Verstärker-Turbo richtig zündest, erfährst du in meiner kompletten Anleitung zum richtigen Loben.
Fehler 2: Du verlangst ein zu großes, schwieriges Verhalten
Es hilft, kleine, machbare Schritte anzuerkennen und zu belohnen. Wenn die Anforderungen zu hoch sind, verliert dein Kind schnell die Motivation. Belohne lieber oft für kleine Fortschritte, so spürt dein Kind regelmäßig Erfolg und bleibt engagiert.
Im Blogbeitrag „Babyschritte“ erkläre ich ganz genau, was mögliche kleine erste Schritte sein können. Klicke hier, um mehr zu erfahren.
Fehler 3: Du vergibst Punkte für zu viele verschiedene Verhaltensweisen
Zu viele Ziele gleichzeitig überfordern und verwirren dein Kind, was den Lerneffekt stark reduziert.
Durch die Konzentration auf ein oder zwei klare Verhaltensweisen schaffst du eine Struktur, die deinem Kind hilft, gezielt an diesen Fähigkeiten zu arbeiten und schneller Fortschritte zu machen.
Fehler 4: Du bist Punkte auf langfristige Ergebnisse wie „gute Noten“
Langfristige Ziele wie Noten sind zu unbestimmt und stehen nicht in direktem Zusammenhang mit dem täglichen Verhalten. Stattdessen solltest du Verhalten belohnen, das zum Erreichen dieser Ziele beiträgt, wie regelmäßiges Lernen oder Hausaufgaben, um den Fortschritt konkret und greifbar zu machen.
Fehler 5: Du wartest auf ein Endziel und übersiehst die kleinen Fortschritte
Indem du kleine Fortschritte belohnst, hältst du dein Kind motiviert und hilfst ihm, das gewünschte Verhalten Schritt für Schritt zu entwickeln. Das Warten auf das Endziel führt oft zu Frustration und verhindert, dass sich das Kind regelmäßig über Erfolge freuen kann.
Fehler 6: Du wirst wütend, wenn dein Kind das festgelegte Verhalten nicht zeigt und willst es drängen
Wie sollte man reagieren, wenn das Kind das gewünschte Verhalten nicht zeigt?Einfach keine Punkte vergeben, ohne Kritik oder Vorwürfe.
„Heute bekommst du keinen Stern. Aber vielleicht schaffst du es morgen einen zu verdienen!“
Anstatt das Verhalten negativ zu kommentieren, kannst du betonen, dass dein Kind am nächsten Tag wieder die Chance hat, Punkte zu sammeln. Dadurch bleibt die Atmosphäre positiv und dein Kind wird ermutigt, es erneut zu versuchen.
Fehler 7: Du verwendest Lebensmittel, Süßigkeiten und Snacks als Belohnung
Snacks, besonders ungesunde, tragen nicht nur wenig zur Motivation bei, sondern können auch ungesunde Gewohnheiten fördern.
Wähle stattdessen Privilegien oder Aktivitäten als Belohnungen, die deinem Kind wirklich Spaß machen und keine gesundheitlichen Bedenken aufwerfen.
Fehler 8: Dein Kind findet die Belohnungen langweilig
Wenn die mühsam gesammelten Punkte nur gegen Dinge eingetauscht werden können, die dein Kind gar nicht reizen, sinkt die Motivation sofort auf null.
Damit die Punkte ihren Wert behalten:
- Autonomie geben: Lass dein Kind aus einer kleinen Auswahl selbst entscheiden, wofür es seine Punkte ausgeben möchte.
- Privilegien statt Spielzeug: Du musst nicht ständig neue Sachen kaufen! Einmal 15 Minuten später ins Bett gehen oder den Familienfilm aussuchen zieht oft mehr als das nächste Plastikauto.
Du suchst noch nach alltagstauglicher Inspiration? In diesem Beitrag findest du 99 Ideen für Belohnungen, die nichts oder wenig kosten.
Fehler 9: Du nimmst deinem Kind Punkte weg
Punkte wegzunehmen verwandelt das Belohnungssystem bei Kindern schnell in ein Bestrafungssystem, was oft zu Frustration führt und die Motivation deines Kindes untergräbt. Belasse es lieber dabei, Punkte nur für positives Verhalten zu vergeben.
Diese 3 Punkte helfen dir, dass dein Belohnungssystem motivierend und verstärkend wirkt und kein Bestrafungssystem ist:
- Stelle sicher, dass Punkte nur vergeben, aber nicht entzogen werden. Dadurch bleibt das Belohnungssystem positiv und ermutigend.
- Achte auch darauf, dass du kleine Erfolge feierst und dein Kind für positive Schritte lobst, anstatt Fehlverhalten in den Vordergrund zu stellen.
- So bleibt der Fokus auf den kleinen Fortschritten und nicht auf Bestrafung.
Tipp: Du brauchst neben Belohnungstafeln noch mehr Erziehungswerkzeuge
Wenn das Belohnungssystem nicht so wirkt, wie du es dir vorstellst, lohnt es sich, ein paar Dinge zu überdenken und vielleicht ein paar zusätzliche Werkzeuge in Betracht zu ziehen.
- Oft hilft es, kleine, machbare Schritte ins Auge zu fassen statt auf große, schwer erreichbare Ziele zu hoffen. Sei also nicht zu streng mit euch beiden; kleinere Schritte machen den Weg leichter und helfen, Frust auf beiden Seiten zu vermeiden. Mehr dazu, kannst du hier erfahren.
- Wenn du positive Fortschritte bemerkst, auch wenn sie noch klein sind, lobe dein Kind dafür. Lob zeigt ihm, dass sein Einsatz gesehen wird, und motiviert es, weiterzumachen.
- Manchmal braucht es auch Rollenspiele: Probiert das gewünschte Verhalten gemeinsam in einer ruhigen Situation aus, ohne Druck, damit dein Kind es besser versteht.
- Dein Kind schaut genau hin, wie du selbst mit Herausforderungen umgehst – wenn du also positiv bleibst und weniger schimpfst, bekommt es eine wertvolle Vorlage, wie man Schwierigkeiten begegnet. Du bist das größte Vorbild für dein Kind, es beobachtet dich immer!
Fazit: So startest du euer Punktesystem erfolgreich neu
Streich die Minuspunkte, damit aus dem Belohnungs- kein Bestrafungssystem wird, brich die Aufgaben in winzige Babyschritte herunter und konzentriere dich auf die positive Verstärkung von ein bis zwei Aufgaben.
Du wirst sehen, wie schnell die Motivation deines Kindes zurückkehrt.


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