Hier sind 5 typische Anzeichen aus dem echten Leben, an denen du merkst, dass deine Erziehungsstrategie noch eine kleine Feinjustierung braucht:
- Die Regeln werden trotzdem ignoriert: Du hast klare Regeln aufgestellt, aber dein Kind testet sie jeden Tag aufs Neue aus. Du hast das Gefühl, du redest gegen eine Wand, und das gewünschte Verhalten zeigt sich einfach nicht.
- Der „Jojo-Effekt“: Es klappt mal zwei Tage super, aber sobald du nicht mehr streng auf die Konsequenzen achtest, fällt dein Kind sofort in alte Muster zurück. Das Verhalten wird nicht zur Gewohnheit.
- Es bleibt extrem anstrengend: Zwar gibt es vielleicht weniger Wutanfälle, aber die, die bleiben, sind immer noch heftig und kräftezehrend. Du hast nicht das Gefühl, dass der Alltag leichter wird.
- Kooperation nur gegen „Bezahlung“: Dein Kind hört nur, wenn du mit der Punkte-Tafel wedelst oder eine Belohnung direkt vor seiner Nase liegt. Ohne direkten Anreiz (oder die Androhung einer Konsequenz) passiert nichts.
- Aus Diskussion wird Streit: Statt besser wird die Stimmung schlechter. Dein Kind reagiert auf deine Konsequenz mit noch mehr Trotz, Aggression oder Rückzug.
Kommt dir das bekannt vor? Wenn du bei einem oder mehreren Punkten genickt hast: Keine Sorge. Das heißt nicht, dass du alles falsch machst oder dein Kind „unerziehbar“ ist.
Es bedeutet meistens nur, dass wir an der Umsetzung drehen müssen. Ein paar kleine Feinjustierungen können große Änderungen nach sich ziehen.
Inhaltsverzeichnis
- Fehler 1: Du lobst zu selten oder „falsch“
- Fehler 2: Eltern kommandieren ihre Kinder unfreundlich herum
- Fehler 3: Belohnungen werden in der Kindererziehung spontan „herumgeschleudert“
- Fehler 4: Zu viele Erinnerungen werden in der Kindererziehung zum Nörgeln
- Fehler 5: Eltern erwarten in der Kindererziehung zu viel auf einmal
- Fehler 6: Die Belohnungen sind langweilig für dein Kind
- Fehler 7: Die Eltern arbeiten bei der Kindererziehung nicht zusammen
- Fehler 8: Auszeiten sind zu lange und zu oft
- Fehler 9: Smartphone-Eltern ignorieren ihre Tablet-Kinder
- Fazit: Häufige Fehler in der Kindererziehung und wie du sie vermeidest
Fehler 1: Du lobst zu selten oder „falsch“
Lob ist dein mächtigstes Werkzeug für Verhaltensänderung – viel mächtiger als jede Strafe. Aber oft verpufft die Wirkung, weil wir es „falsch verpacken“ oder uns von alten Glaubenssätzen bremsen lassen.
Der Mythos (oder: Was dich vielleicht hemmt)
Vielleicht hast du im Hinterkopf (oder in älteren Ratgebern wie „Jedes Kind kann Regeln lernen“) den Gedanken: „Man darf nicht zu viel loben, sonst wird das Kind verwöhnt oder tut Dinge nur noch für das Lob.“
Viele Eltern gehen deshalb sparsam mit Anerkennung um, getreu dem schwäbischen Motto: „Nicht geschimpft ist genug gelobt.“
Lob ist wichtig und verwöhnt nicht
Die moderne Psychologie und Hirnforschung zeigen das genaue Gegenteil: Du kannst ein Kind mit richtigem Lob nicht verwöhnen.
Lob ist für das Gehirn wie Dünger für eine Pflanze.
- Ein Verhalten, das keine Aufmerksamkeit (kein Lob) bekommt, stirbt ab.
- Ein Verhalten, das begeistert gefeiert wird, bildet neue Verknüpfungen im Gehirn.
Die Regel lautet: Gerade wenn du ein neues Verhalten etablieren willst (z. B. Schuhe anziehen ohne Trödeln), musst du am Anfang sehr viel loben. Wenn es zu einer Gewohnheit geworden ist, musst du wenig oder gar nicht mehr loben.
Wenn dein Lob bisher nicht wirkt, liegt es meist an diesen drei Detail-Fehlern:
A. Du sagst nur „Gut gemacht!“ (Das Gießkannen-Lob)
Ein pauschales „Gut gemacht“ ist nett, aber für das Gehirn deines Kindes wertlos. Es weiß gar nicht, was genau gut war.
- Falsch: „Gut gemacht!“
- Richtig (Konkret): „Ich finde es super, dass du dich so schnell angezogen hast. Wow!“
B. Du klingst wie ein Nachrichtensprecher (Keine Begeisterung)
Für echte Verhaltensänderungen reicht ein gemurmeltes Lob nicht aus. Dein Kind braucht einen emotionalen Marker!
- Der Fehler: Du lobst monoton oder „cool“.
- Die Lösung: Werde zum Cheerleader! Klingt albern? Ist aber wissenschaftlich nötig. Jüngere Kinder brauchen Begeisterung, Klatschen oder sanftes Kitzeln dazu.
- Merk dir: Ein „übertriebenes“ (unauthentisches) Lob ist für das Lernzentrum im Gehirn immer noch 100x wirksamer als eine „authentische“ Bestrafung (Schimpfen).
C. Du wartest zu lange
Wenn dein Kind sich morgens gut anzieht, und du es erst abends dafür lobst, ist der Zug abgefahren.
Die Regel: Das Lob muss sofort (innerhalb von Sekunden) erfolgen. In der Anfangsphase musst du das Verhalten zudem jedes einzelne Mal loben, nicht nur ab und zu.
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Fehler 2: Eltern kommandieren ihre Kinder unfreundlich herum
Du möchtest, dass dein Kind etwas machst. Also sagst du deinem Kind, dass es das machen soll!
Anweisungen, Aufgaben und Aufforderungen sind im Familienalltag häufig zu hören. Doch häufig werden sie in der Kinderziehung nicht so eingesetzt, dass sie wirklich effektiv sind. Hier sind typische Fehler und wie du sie vermeiden kannst:
Aufforderungen zur richtigen Zeit geben
Ein häufiger Fehler in der Kindererziehung ist, Aufforderungen zum falschen Zeitpunkt zu geben – entweder zu früh oder zu spät. Besonders in der Anfangsphase ist das Timing entscheidend: Die Anweisung sollte direkt vor dem gewünschten Verhalten erfolgen, z. B.:
👉 „Bitte räume die Kleidung vom Boden in die Wäschekiste.“
Erst wenn dein Kind sicher reagiert, kannst du die Aufgaben etwas weiter in die Zukunft legen, etwa: „Bitte räum nach dem Mittagessen dein Zimmer auf.“
Vielfalt bei den Aufforderungen nutzen
Aufforderungen funktionieren besser, wenn sie nicht nur verbal, sondern durch unterschiedliche Ansätze unterstützt werden:
- Visuelle Hilfen: Ein Erinnerungszettel oder ein Bild, das auf die Aufgabe hinweist.
- Gesten: Mit dem Finger (freundlich!) auf die Spielsachen zeigen, die weggeräumt werden sollen.
- Physische Unterstützung: Deinem Kind die Hand führen, um den ersten Schritt gemeinsam zu machen. Ich reiche meinen Kindern zum Beispiel meinen Zeigefinger, sodass sie freiwillig „andocken“ können und sie nicht das Gefühl haben, dass ich sie ziehe.
- Modellieren: Das Verhalten vormachen, zum Beispiel einen Teller in die Spülmaschine stellen, bevor du dein Kind darum bittest.
- Gemeinsames Ausführen: Zusammen anzufangen kann den Einstieg erleichtern.
Positive Bedingungen für Kooperation schaffen
Der Ton macht die Musik – das gilt auch bei Aufforderungen. Ein freundlicher Ton und eine einladende Mimik erhöhen die Kooperationsbereitschaft deines Kindes deutlich.
Anstatt nur „Deck den Tisch!“ zu sagen, kannst du mit einem Lächeln und angenehmer Stimme sagen: „Komm, wir decken den Tisch – magst du mit den Gläsern anfangen?“
Auch spielerische Elemente helfen: Statt „Räum deine Bausteine weg“ könntest du sagen: „Schaffst du es, die roten Bausteine schneller in die Kiste zu legen, als ich die blauen? Auf die Plätze fertig los.“
Oft ist der schwierigste Schritt der erste Schritt und der Rest läuft von alleine. Wir müssen also mit unserem Kind in den Raum kommen, in dem die Aufgabe wartet zum Beispiel ins Bad kommen, um Zähne zu putzen. Das lieben Kinder:
- Dein Kind darf auf deinen Rücken und du galoppierst wie ein Pferd.
- Ihr geht tanzend ins Badezimmer.
- Dein Kind darf sich auf deine Füße stellen und du läufst mit ihm gemeinsam.
- Du bietest deinem Kind an, dass es wie ein Flugzeug ins Badezimmer fliegen darf.
- Ihr macht eine Polonaise oder einen Cha cha cha.
- Du und dein Kind ihr lauft wie Hunde oder wie Bären ins Badezimmer.
- Du fragst dein Kind, ob es verkehrt herum ins Badezimmer getragen werden will, aber natürlich nur, wenn es ihm Spaß macht!
Die Kombination macht den Unterschied
Aufforderungen alleine reichen nicht aus, um ein Verhalten dauerhaft zu etablieren. Sie entfalten ihre Wirkung nur, wenn sie mit positiven Bedingungen (nett + Lächeln + Wahl oder Spiel) kombiniert werden – und mit Lob für das, was dein Kind richtig macht. Häufig vergessen Eltern genau das: den Moment, in dem das Kind die Aufgabe erledigt hat, mit spezifischem Lob zu verstärken.
Wenn du diese Aspekte beachtest, werden deine Aufforderungen nicht nur effektiver, sondern auch angenehmer für euch beide. So wird dein Kind nicht nur „hören“, sondern langfristig motiviert sein, mitzumachen.
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Fehler 3: Belohnungen werden in der Kindererziehung spontan „herumgeschleudert“
Belohnungssysteme sind eine beliebte Methode, um gutes Verhalten zu fördern. Doch sie funktionieren nur, wenn sie gezielt und durchdacht eingesetzt werden.
Ein häufiger Fehler in der gewaltfreien Kindererziehung ist es, Belohnungen willkürlich für zufällige, unzusammenhängende Verhaltensweisen zu vergeben – etwa: „Wenn du beim Zahnarzt den Mund aufmachst, bekommst du eine Playmobil Feuerwehr.“ Solche improvisierten Ansätze fördern keine nachhaltige Verhaltensänderung.
Die Lösung
Schaffe klare Regeln und setze Belohnungen gezielt ein, um ein spezifisches Verhalten zu fördern, das du langfristig etablieren möchtest. Ganz kleine Schritte funktionieren besser als große Sprünge!
👉 Hier klicken und mehr über Belohnungen, Token Economy und Punktesysteme lernen.
Fehler 4: Zu viele Erinnerungen werden in der Kindererziehung zum Nörgeln
Ein weiteres Hindernis ist das häufige Wiederholen von Anweisungen – das sogenannte Nörgeln. Wenn du deinem Kind dieselbe Aufforderung immer wieder gibst, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass es das gewünschte Verhalten zeigt. Stattdessen wird die Situation oft frustrierend für euch beide und kann wie eine Bestrafung wirken.
Die Lösung
Gib klare und spezifische Anweisungen, wie „Bitte räum vier Spielsachen in die Spielzeugkiste.“ Wenn dein Kind nicht reagiert, fordere zunächst weniger, um Überforderung zu vermeiden, und unterstütze dein Kind aktiv, einen kleinen Teil der Aufgabe zu erledigen. Lobe anschließend diesen Teilerfolg und steigere den Umfang des Verhaltens schrittweise.
Fehler 5: Eltern erwarten in der Kindererziehung zu viel auf einmal
Ein häufiger Fehler in der Kindererziehung ist, zu viel auf einmal von einem Kind zu erwarten. Überzogene Anforderungen führen oft zu Misserfolg und Frust – sowohl für dich als auch für dein Kind. Unrealistische Ziele können demotivieren und den Weg zur Verhaltensänderung unnötig erschweren.
Passe deine Erwartungen an dein Kind!
Anstatt von deinem Kind zu verlangen, eine Aufgabe komplett zu erledigen, teile sie in kleine, machbare Schritte auf. Ein Beispiel: Statt „Räum deine ganzen Bausteine weg“ könntest du sagen: „Bring bitte die roten Bausteine zurück in die Kiste.“ Anfangs reichen „ziemlich gute“ Verhaltensweisen völlig aus – es muss nicht alles perfekt sein.
Bonuspunkte: Verwandle Aufgaben in ein Spiel oder eine Herausforderung. „Mal schauen wer mehr Steine wegräumen kann, du oder ich? Auf die Plätze fertig los.“
Zwei häufige Mythen vermeiden
- „Das Kind weiß, wie es geht.“
Nur weil dein Kind theoretisch weiß, wie etwas funktioniert, bedeutet das nicht, dass es das Verhalten regelmäßig zeigen kann. - „Das Kind hat es schon mal gemacht.“
Ein Verhalten einmal erfolgreich umzusetzen heißt nicht, dass es zur Gewohnheit geworden ist. Gewohnheit entsteht nur durch Wiederholung und Übung. Vielleicht hast du schon einmal Bowling gespielt und einen Strike (alle 10) geschafft. Aber nur mit viel Übung würdest du wahrscheinlich einen Turkey (3 Strikes hintereinander) schaffen. Und nur absolute Profis mit jahrelanger Übung schaffen die Maximalpunktzahl von 300!
Die Lösung
Teile das gewünschte Verhalten in kleine, erreichbare Schritte auf. Lobe jeden Fortschritt und feiere kleine Erfolge, denn genau diese machen langfristig den größten Unterschied.
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Fehler 6: Die Belohnungen sind langweilig für dein Kind
Ein häufiger Fehler in der gewaltfreien Kindererziehung ist, Punktesysteme einzusetzen, ohne sicherzustellen, dass die Belohnungen für das Kind wirklich attraktiv sind. Funktioniert das System nicht, liegt es oft daran, dass die Anreize nicht mehr spannend oder motivierend genug sind.
Punkte verdienen und ausgeben
Damit ein Punktesystem motivierend bleibt, sollte dein Kind Punkte nicht nur sammeln, sondern sie regelmäßig für Prämien oder Privilegien einlösen können. Das Ausgeben der Punkte hält das Interesse aufrecht und motiviert dazu, weiterhin gewünschtes Verhalten zu zeigen.
Wenn dein Kind Punkte lieber spart, ist das in Ordnung, solange das Verhalten stabil bleibt. Aber wenn das Sparen die Motivation senkt, braucht es Anpassungen.
Frag dich:
- Verdient dein Kind genug Punkte, um motiviert zu bleiben?
- Gibt es ausreichend interessante Prämien, die mit wenigen Punkten erreichbar sind?
Wenn die Belohnungen unattraktiv oder zu teuer sind, verliert das Punktesystem seine Wirkung.
Lösung
Sorge dafür, dass die Belohnungen vielfältig und spannend bleiben. Füge kleine, leicht erreichbare Prämien hinzu, die kurzfristige Erfolge ermöglichen. Überarbeite das System regelmäßig, damit es ansprechend bleibt und dein Kind weiterhin motiviert ist. So bleibt das Punktesystem ein starkes Instrument für nachhaltige Verhaltensänderungen.
Fehler 7: Die Eltern arbeiten bei der Kindererziehung nicht zusammen
Ein häufiger Fehler in der Kindererziehung ist, wenn mehrere Erwachsene im Haushalt nicht an einem Strang ziehen. Inkonsistenz in der Umsetzung von Erziehungsmaßnahmen kann dazu führen, dass unerwünschtes Verhalten bestehen bleibt und sich sogar verstärkt.
Ein typisches Beispiel: Während Papa beim Abendessen versucht, dem Kaspern keine Aufmerksamkeit zu schenken und ruhiges Verhalten mit Lob zu verstärken, reagiert Mama mit ständigem Meckern und schenkt dem unerwünschten Verhalten genau die Aufmerksamkeit, die es verstärkt.
Durch klare Absprachen und gezielte Zusammenarbeit kannst du sicherstellen, dass Positive Parenting auch bei mehreren Bezugspersonen funktioniert.
- Die beteiligten Erwachsenen sollten ein Programm möglichst ähnlich anwenden. Kleine Unterschiede sind kein großes Problem, können aber in schwierigen Situationen die Wirksamkeit beeinträchtigen.
- Gerade am Anfang ist es oft sinnvoll, wenn nur ein Elternteil das Programm umsetzt. So kann das Verhalten in einem klaren Kontext, zum Beispiel morgens oder bei den Hausaufgaben, gezielt verändert werden.
- Wenn das Programm in einer Situation erfolgreich ist, lässt es sich leichter auf andere Personen, Zeiten oder Umgebungen übertragen. Diese schrittweise Einführung stellt sicher, dass das Programm effektiv bleibt und Unstimmigkeiten vermieden werden.
Fehler 8: Auszeiten sind zu lange und zu oft
Eine Auszeit (Time-Out) ist eigentlich nichts anderes als eine kurze „Auszeit von positiver Verstärkung“ – ein Moment der Langeweile, der dazu dient, unerwünschtes Verhalten zu unterbrechen, was besonders bei Aggressionen (z.B. dein Kind tut seinen Geschwistern oder anderen Kindern weh) oder wenn dein Kind nicht aufhört seine Geschwister zu ärgern (was der psychische weh tun kann) hilfreich ist.
Ein häufiger Fehler in der gewaltfreien Kindererziehung ist, ein Kind während der Auszeit weiterhin mit Erklärungen, Vorwürfen oder Diskussionen zu beschäftigen. Wichtig ist, dass du dein Kind ruhig und ohne Schimpfen oder Meckern in die Auszeit bringst. Währenddessen sollte es keine zusätzliche Aufmerksamkeit erhalten, da sonst der eigentliche Zweck – das Verhalten zu unterbrechen, indem es wenig Beachtung bekommt – untergraben wird.
Was funktioniert?
- Kurz und knapp: Die positive Wirkung einer Auszeit tritt in den ersten 1–2 Minuten auf. Längere Zeiten, auch bei ernsteren Vergehen, bringen keine zusätzlichen Vorteile. 10 Minuten sollten die absolute Obergrenze sein.
- Sparsam einsetzen: Auszeiten sollten nicht zum Allheilmittel werden. Mehr als eine oder zwei am Tag für das gleiche unerwünschte Verhalten sind ein Zeichen dafür, dass das eigentliche Problem nicht angegangen wird und das positive Gegenteil zu selten effektiv gelobt wird.
- Sanfte Konsequenzen: Wenn die Auszeiten nicht klappt und du als Konsequenz einen Privilegienverslust einsetzen möchtest (z.B. Fernsehverbot), sollte er maximal 24 Stunden andauern. Mehrere Tage helfen nicht mehr, sondern führen einfach zu mehr Frust und Wut!
👉 Klicke hier und lerne mehr über Auszeiten.
Das Wesentliche verstärken
Das Wichtigste bleibt jedoch, die positiven Gegenteile des unerwünschten Verhaltens gezielt zu verstärken. Zum Beispiel, wenn dein Kind statt lautem Toben ruhig spielt oder statt zu streiten freundlich spricht.
Bestrafungen allein haben keine langfristigen Effekte – die Auszeit dient lediglich der Deeskalation, während die eigentliche Verhaltensänderung durch positive Bestärkung geschieht.
Fehler 9: Smartphone-Eltern ignorieren ihre Tablet-Kinder
In der heutigen Zeit ist ein häufiger Fehler in der Kindererziehung, dass Eltern unbewusst in ihr Smartphone, den Fernseher oder den PC vertieft sind und ihre Kinder dabei völlig ignorieren. Du kommentierst nicht, lobst nicht, sprichst kaum – bis etwas passiert, das deine Aufmerksamkeit zwingend fordert: Aggression, Streit oder andere „Dummheiten“.
Plötzlich bekommt dein Kind all deine Energie und Aufmerksamkeit, aber genau für das unerwünschte Verhalten.
Dieses Muster führt oft dazu, dass sich dein Kind immer schlimmer benimmt, weil es gelernt hat, dass nur negatives Verhalten deine volle Aufmerksamkeit bringt. Wenn dein Kind dann ruhig spielt, freust du dich und nutzt die Zeit, um schnell etwas zu erledigen oder dich Handy oder Fernseher zuzuwenden – aber genau das ist entgegen aller wissenschaftlichen Erkenntnisse.
(Auch zu viel Medienkonsum deiner Kinder vermindert ihre Aufmerksamkeitsspanne und erhöht ihre Aggressivität.)
Was wirklich hilft
Für einen entspannten Familienalltag solltest du unerwünschtem, nervigen Verhalten möglichst wenig oder keine Aufmerksamkeit schenken, es also bewusst zu übersehen. Bleib ruhig, schau in die andere Richtung und lass dich nicht auf das Nörgeln oder Streiten ein. Das funktioniert ganz gut bei:
- nervigen Geräuschen
- nörgeln
- Wutanfälle
- Schimpfwörter
- angeben
- oberschlau sein
- kleckern
- Grimassen
- Nasebohren und Nägelkauen
- Daumenlutschen
- Babysprache
- Ärger darüber, dass sie etwas nicht haben oder nicht machen dürfen
Gleichzeitig ist es entscheidend, positivem Verhalten viel Aufmerksamkeit zu schenken. Lobe dein Kind gezielt für das, was es gut macht.
👉 Hier klicken und mehr über bewusstes Übersehen lernen.
Ein Beispiel
Stell dir vor, du spielst mit deinem Kind noch fünf Minuten, bevor ihr morgens losgeht, und plötzlich beginnt es zu nörgeln, weil es nicht in die Schule möchte.
Statt darauf einzugehen, lobst du dein Kind dafür, wie schön es gerade mit den Bausteinen spielt. Du sagst zum Beispiel:
- „Das ist eine tolle Brücke, die du da gebaut hast!“
- „Du hast gerade einen gelben Stein in der Hand.“
- „Du hast den blauen Stein auf den grünen Stein gesetzt.“
Sobald das Nörgeln aufhört, kannst du freundlich kommentieren: „Ich finde es klasse, wie freundlich du jetzt mit mir sprichst.“ So lenkst du den Fokus auf das positive Verhalten und verstärkst, was du dir von deinem Kind wünschst.
Dein Spickzettel: Positive Erziehung mit wenig Druck (und viel Wirkung)
Puh, das waren jetzt viele Informationen. Aber keine Sorge: Du musst morgen nicht zum perfekten Erziehungs-Profi werden. Es reicht, wenn du Schritt für Schritt den Druck rausnimmst und diese Basics im Hinterkopf behältst:
- Loben wie ein Cheerleader: Ein trockenes „Gut gemacht“ reicht oft nicht. Damit dein Kind neues Verhalten lernt, darfst du (gerade am Anfang) jubeln, klatschen und begeistert sein. Dein Lob ist der wichtigste Motor!
- Spiel statt Befehl: Verwandle deine Anweisungen in kleine Herausforderungen („Wetten, du schaffst das nicht in 10 Sekunden?“). Ein freundliches „Bitte“ wirkt besser als jeder Kasernenhofton.
- Fokus auf das „Positive Gegenteil“: Statt zu schimpfen, was dein Kind falsch macht, stärkst du radikal das Verhalten, das du sehen willst. (Nicht: „Hör auf zu trödeln!“, sondern: „Wow, du hast schon einen Schuh an!“)
- Punkte & Belohnungen mit System: Wirf Belohnungen nicht einfach so in den Raum („Wenn du lieb bist…“). Nutze ein klares System und kopple Punkte immer an dein begeistertes Lob.
- Time-In vor Time-Out: Eine Auszeit (Notbremse) funktioniert nur, wenn die Beziehung (Time-In) stark ist. Investiere 90 % deiner Energie in die gute Zeit und das Loben.
- Sanft statt Harsch: Wir sind uns einig – Gewalt, Schreien und harte Strafen sind keine Option. Wir führen unsere Kinder liebevoll, nicht mit Angst.
Mein Tipp zum Start: Such dir aus den 9 Fehlern oben genau einen aus, bei dem du dich ertappt hast (z. B. das zu leise Loben). Konzentriere dich die nächste Woche nur darauf, diesen einen Punkt zu verbessern. Du wirst sehen: Das verändert schon die ganze Dynamik! Du schaffst das. ❤️
Fazit: Häufige Fehler in der Kindererziehung und wie du sie vermeidest
Eine kinderfreundliche, gewaltfreie Erziehung erfordert nicht nur Geduld, sondern auch Flexibilität. Wenn eine der modernen Erziehungsmethoden nicht funktioniert, lohnt es sich, genauer hinzusehen und kleine Anpassungen vorzunehmen.
- Belohnungen gezielt einsetzen: Willkürlich vergebene Belohnungen motivieren nicht dauerhaft. Setze klare Regeln und fördere gezielt spezifisches Verhalten in kleinen, erreichbaren Schritten und am besten mit einem Punktesystem.
- Nörgeln vermeiden: Wiederholte Erinnerungen senken die Kooperationsbereitschaft. Gib klare, spezifische Anweisungen und unterstütze dein Kind aktiv bei kleinen Teilerfolgen, die du anschließend lobst.
- Erwartungen senken: Unrealistische Ziele demotivieren. Teile Aufgaben in kleine Schritte auf und lobe jeden Fortschritt, um Motivation und Gewohnheit schrittweise aufzubauen.
- Aufforderungen freundlich gestalten: Der richtige Ton und passende Hilfen wie Gesten, Modellieren oder spielerische Herausforderungen erhöhen die Wirksamkeit. Kombiniere klare Aufforderungen mit Lob und positiven Bedingungen.
- Lob richtig nutzen: Häufiges, unmittelbares und begeistertes Lob stärkt gewünschtes Verhalten. Ergänze es durch Gesten wie Umarmungen oder High-Fives, um es wirksamer zu machen.
- Belohnungssysteme attraktiv halten: Sorge für spannende, erreichbare Prämien und überprüfe regelmäßig, ob das Punktesystem dein Kind weiterhin motiviert. Kleine, schnell erreichbare Belohnungen fördern den Erfolg.
- Zusammenarbeit im Haushalt: Eltern sollten sich abstimmen, um Programme konsistent umzusetzen. Beginne mit einem Elternteil und weite die Methode schrittweise aus, um Unstimmigkeiten zu vermeiden.
- Sanfte Konsequenzen: Maximal zwei Auszeiten mit 1-2 Minuten pro Tag. Sanfte Privilegienverluste (z.B. Spielzeug wegnehmen, Hörbuch-, Tablett-, Handy- oder Fernsehverbot) sollten maximal 24 Stunden andauern.
Oft sind es diese kleinen Veränderungen, die große Fortschritte ermöglichen.
Konzentriere dich darauf, eine Verhaltensänderung in einem Bereich zu etablieren, bevor du die Methode auf andere Situationen überträgst. So schaffst du eine solide Basis, auf der du weiter aufbauen kannst.
Quellen
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