Dein Kind richtig zu loben kann wahre Wunder bewirken – und nein, es geht dabei nicht darum, ständig zu jubeln wie ein Fanclub beim Fußballspiel.
Also… öhm… eigentlich schon. Nur dass du statt „Tooor!“ eher „Wow, du hast die Socken diesmal fast in den Wäschekorb getroffen!“ rufst.
Richtig eingesetztes Lob stärkt die Bindung, fördert gewünschtes Verhalten und sorgt dafür, dass dein Kind merkt: „Hey, Mama sieht, was ich gut mache – und nicht nur, wenn ich gerade den Tisch in ein Kunstprojekt verwandle.“
Als Mama von drei Kindern weiß ich, wie schnell man im Alltag zum „Fehler-Detektiv“ wird. Wir bemerken, was nicht klappt („Warum liegen hier schon wieder 10 Stifte auf dem Boden?! Warum streiten die schon wieder?“), und vergessen dabei manchmal, das Gute zu würdigen.
Genau hier kommt das richtige Loben ins Spiel: Mit ein paar einfachen Kniffen kannst du dein Kind ermutigen, Neues mit Freude zu lernen. Und gleichzeitig euer Familienleben entspannter gestalten.
In diesem Artikel zeige ich dir, wie du Lob gezielt und effektiv einsetzt, um dein Kind zu stärken, die Selbstständigkeit zu fördern (was übrigens dich entlastet) und dabei jede Menge positive Stimmung in euren Alltag bringst.
Inhaltsverzeichnis
Es gibt mehr als „Gut gemacht!“
Es gibt zwei Arten von Lob in der Erziehung.
Alltägliches oder routinemäßiges Lob ist das, was wir ganz intuitiv tun, um unserem Kind positive Rückmeldung zu geben. Es ist das Lob, das in unserem Alltag vorkommt, wenn wir spontan sagen.
Beispiele: „Gut gemacht!“ oder „Super!“ oder „Stark!“
Kinder lieben dieses Lob, weil es ihnen zeigt, dass sie auf dem richtigen Weg sind und uns Freude bereiten. Es stärkt die Beziehung zwischen dir und deinem Kind, und du machst es wahrscheinlich schon ganz automatisch. Dieses Lob sorgt für eine positive Grundstimmung im Alltag. Sage es ruhig öfter!
Das zweite Lob, das du nutzen kannst, um Verhalten zu verändern, ist ein strategisch eingesetztes, spezifisches Lob, das speziell dazu dient, bestimmte Verhaltensweisen zu fördern, z. B. zu lernen Spielsachen alleine wegzuräumen, sich anzuziehen, die Brotdose in den Ranzen zu packen oder Hausaufgaben zu erledigen.
Die 3 Komponenten eines effektiven Lobes
Damit dein spezifisches Lob für eine ganz bestimmte Verhaltensweise wirklich effektiv ist, gibt es drei wesentliche Bestandteile, die du beachten solltest.
Erstens: Sei enthusiastisch! Zeige deutlich, dass du dich freust, und verwende eine positive und begeisterte Stimme.
Zweitens: Benenne ganz genau, was dein Kind gut gemacht hat, zum Beispiel:
„Das war super! Du hast die Spielsachen genau so aufgeräumt, wie ich es dir gesagt habe.“
Drittens: Ergänze das Lob mit einer nonverbalen Geste, wie einer sanften Berührung, einem High-Five oder einer Umarmung. Bei älteren Kindern kannst du ein Luft-High-Five oder ein Daumen-hoch verwenden.
Diese Kombination macht das Lob in der Erziehung besonders wirkungsvoll und unterstützt dein Kind dabei, das gewünschte Verhalten zu wiederholen.
1) Mit Begeisterung loben
Möchtest du, dass dein Lob wirklich funktioniert? Also dass dein Kind nicht nur manchmal seine Stifte vom Boden aufhebt, friedlich mit seinem Bruder spielt oder sich morgens anzieht, bevor du zum zwölften Mal „Los jetzt!“ gesagt hast?
Sondern dass dein Lob so viel Spaß macht und dein Kind so begeistert, dass es gar nicht anders kann, als den Stift gleich noch mal aufzuheben, weiter friedlich zu spielen oder sich morgens blitzschnell anzuziehen?
Dann kommt hier das Geheimnis: Enthusiasmus!
Beim Loben (und Erziehen überhaupt) ist Begeisterung ansteckend. Sie zeigt deinem Kind, dass du wirklich beeindruckt bist von dem, was es getan hat.
Wenn du mit echter Freude und strahlender Stimme lobst, spürt dein Kind sofort: „Wow, Mama meint das ernst!“
Ein enthusiastisches Lob hebt die Stimmung, stärkt eure Verbindung und macht es viel wahrscheinlicher, dass dein Kind das gewünschte Verhalten wiederholt. Und aus dieser Wiederholung entstehen Gewohnheiten, die kein Lob mehr benötigen.
Richtig loben Beispiele für begeisterte Formulierungen:
- Wow! Du hast X. Das finde ich super!
- Mega! Du hast dich total bei X angestrengt. Das war echt schwer!
- Super, du hast X. Richtig cool!
- Sehr gut. Du hast X geübt.
2) Wichtig: Genau sagen, was du lobst!
Wenn du genau sagst, welches Verhalten du lobst, hilft das deinem Kind, klar zu verstehen, was es richtig gemacht hat. Anstatt nur allgemein „Super gemacht!“ zu sagen, kannst du konkret benennen.
„Toll, dass du deine Schuhe gleich angezogen hast, als ich es gesagt habe! Das war mega schnell!“
So weiß dein Kind genau, welches Verhalten du schätzt und was es wiederholen soll. Das gibt deinem Kind Orientierung und stärkt sein Selbstvertrauen, weil es merkt, dass es ganz genau verstanden hat, was von ihm erwartet wird. Diese Klarheit hilft besonders dabei, neue Verhaltensweisen zu lernen und zu festigen.
Um herauszufinden, welche Verhaltensweisen du loben solltest, achte darauf, was du dir langfristig von deinem Kind wünschst. Frag dich: Welche kleinen Schritte führen zu diesem Ziel?
3) Super wichtig: Nonverbales Lob
Nonverbale Kommunikation ist beim Loben wichtig, weil sie das gesprochene Feedback emotional verstärkt und deinem Kind zeigt, dass du wirklich hinter deinen Worten stehst.
Eine Umarmung, ein High-Five oder ein sanftes Tätscheln auf die Schulter unterstreichen dein Lob und geben deinem Kind das Gefühl von Nähe und Zuwendung.
Beispiele für positive nonverbale Signale:
- Umarmung
- High-Five
- Sanftes Tätscheln auf die Schulter
- Zärtliches Durchwuscheln der Haare
- Händedruck
- Zwinkern
- Lächeln
- Aufmunterndes Nicken
- Daumen hoch
- Leichtes Klopfen auf den Rücken
- Luftkuss
- Leichtes Klatschen
- Herz-Zeichen mit den Händen
- Hand auf die Brust legen (als Zeichen von Stolz)
- Über den Arm streicheln
- Augenkontakt und breites Grinsen
- Berührung am Kopf oder Stirn
- Freundliches Schulterdrücken
- Leichtes „Fäustchen“ geben (Faust an Faust)
- Kurzes Hüpfen oder Tanzen vor Freude
Diese kleinen Gesten vermitteln Liebe und Anerkennung auf einer tieferen Ebene, die Worte allein oft nicht erreichen.
4 Tipps für wirkungsvolles Lob
Nachdem du gelernt hast, wie wichtig es ist, Lob enthusiastisch, konkret und mit einer non-verbalen Geste zu geben, gibt es noch weitere wichtige Aspekte, die du beachten solltest.
Es geht nicht nur darum, wie du lobst, sondern auch wann und was du lobst.
1) Sofort loben
Sofortiges Lob wirkt wie ein kleiner Turbo fürs Lernen: Dein Kind merkt sofort, dass es etwas richtig gemacht hat – und will es wieder tun.
Je kürzer der Abstand zwischen Aktion und Lob, desto klarer versteht dein Kind, welches Verhalten du gut findest. So entsteht eine direkte Rückkopplung: „Aha, das war richtig – Mama/Papa freut sich!“
Wenn du erst später lobst, verpufft der Effekt – dein Kind weiß dann oft gar nicht mehr, wofür es das Lob bekommt. Also lieber gleich reagieren: Kurz, freundlich, begeistert. Das stärkt die Motivation und zeigt deinem Kind ganz deutlich, was du dir wünschst.
2) Kleine Fortschritte loben
Gerade bei neuen Aufgaben oder kleinen Verhaltensänderungen ist sofortiges Lob Gold wert – so bleibt dein Kind motiviert und merkt: „Ich bin auf dem richtigen Weg.“
Kleine Fortschritte zu loben hilft, Frust zu vermeiden und dranzubleiben. Niemand läuft Marathon beim ersten Versuch – also lieber jeden Zwischenschritt feiern.
Beispiele:
- Du machst fast die ganze Schleife, dein Kind zieht am Ende nur noch fest. Beim nächsten Mal machst du weniger – und dein Kind übernimmt einen Schritt mehr.
- Oder beim Tischdecken: Erst nur die Gabeln. Erst Monate später kommen Teller, Messer und Gläser dazu. Jedes Mal gibt’s ein Lob und nicht erst, wenn der ganze Tisch perfekt gedeckt ist.
- Hier findest du mehr Ideen.
Wenn du erst lobst, wenn alles perfekt ist oder dein Kind ein riesiges Aufgabenpaket komplett alleine durchgearbeitet hat, kann dein Kind schnell die Lust verlieren.
Jedes Stückchen Fortschritt und jede Teilaufgabe zählt und darf begeistert gelobt werden.
3) Fehlversuche und Bemühungen wertschätzen
Nicht nur Erfolge verdienen Lob, auch der Einsatz zählt! Wenn du die Mühe deines Kindes anerkennst, lernt es: „Es ist okay, Fehler zu machen. Wichtig ist, dass ich’s versuche.“
Sag zum Beispiel:
„Super! Ich finde es toll, wie sehr du dich bei X bemüht hast, auch wenn es diesmal nicht geklappt hat.“
„Wow! Ich sehe, wie konzentriert du an der Aufgabe gearbeitet hast.“
„Du hast dich echt angestrengt, es beim zweiten Versuch besser zu machen.“
So stärkst du Durchhaltevermögen und Mut zum Weitermachen. Dein Kind merkt: Scheitern ist kein Stopp-Schild, sondern nur ein kleiner Umweg auf dem Weg zum Erfolg.
4) Geduldig bleiben
Neue Verhaltensweisen brauchen Zeit sich zu verankern. Kein Kind Klavierspielen, Lesen oder seine Jacke ordentlich aufzuhängen von heute auf morgen.
Dein Lob hilft dabei, dranzubleiben und zu verstehen: „So ist es richtig.“ Mit jeder Wiederholung wird das Verhalten sicherer und selbstverständlicher.
Am Anfang braucht dein Kind noch viel Rückmeldung und Unterstützung. Später wird es immer unabhängiger – einfach, weil das neue Verhalten zur Gewohnheit geworden ist.
Also: ruhig bleiben und kleine Fortschritte loben.
7 häufige Fehler beim Loben
Wir wollen unsere Kinder stärken, ermutigen, ihnen Flügel verleihen.
Und was passiert? Unser Lob verpufft irgendwo zwischen „Na toll“ und „Ist das Ironie, Mama?“.
Keine Sorge, nett gemeint ist schon mal die halbe Miete. Aber manchmal eben nicht die ganze.
1. Fehler: Dein Kind zu selten loben
Manchmal vergessen wir das Loben einfach. Nicht, weil wir undankbar sind, sondern weil wir denken: „Na, das ist doch selbstverständlich, dass du deine Schuhe anziehst… nach nur fünf Erinnerungen.“
Aber Kinder brauchen ein bisschen mehr Rückmeldung als nur unser stilles inneres Schulterklopfen. Wenn Lob ausbleibt, kann das für sie schnell so wirken, als würde niemand merken, wie sehr sie sich anstrengen.
Und wer rackert sich schon gern ab, wenn’s keiner bemerkt?
Ein kleines „Hey, wow, du hast gerade 30 Minuten total leise mit Lego gespielt, ich hab gar nicht bemerkt, wie die Zeit verging. Stark!“ wirkt da manchmal wie ein warmes Licht im Nebel. Plötzlich sieht dein Kind wieder, wo’s langgeht. (Und merkt, dass ruhig spielen mehr Aufmerksamkeit bringt als mit seinen Geschwistern zu streiten oder Chaos zu verursachen.)
Also: Nicht geizen mit gezieltem, begeistertem Lob. Es ist gratis, macht gute Laune und stärkt ganz nebenbei die Motivation.
2. Fehler: Leeres Lob
Leeres Lob? Oh ja, das kennen wir alle. Diese klassischen „Super!“ oder „Toll gemacht!“ oder „Wow!“-Momente, in denen man eigentlich gar nicht so genau weiß, was jetzt eigentlich so super war. Aber man wollte halt was Nettes sagen?
Klingt ganz nett, klar. Nur: Dein Kind steht da und fragt sich innerlich vielleicht: „Äh… was genau war jetzt toll?“
Viel hilfreicher ist etwas wie:
„Ich find’s richtig klasse, dass du deine Müslischüssel in die Spülmaschine gestellt hast, ohne dass ich dich erinnern musste!“
Das ist konkret und zeigt deinem Kind: Aha – das war gemeint! Das kann ich also gern wieder so machen.
Natürlich darf zwischendurch auch mal ein einfaches „Super!“ fallen. Das hält die Beziehung warm und zeigt, dass du dein Kind wahrnimmst.
Aber wenn Lob zur Gewohnheit wird wie das automatische „Danke, ja, mit Karte bitte“ an die Kassiererin, verliert es seinen Zauber.
3. Fehler: Loben und direkt kritisieren
„Super, dass du dein Zimmer aufgeräumt hast – warum kannst du das nicht immer so machen? War doch gar nicht so schwer.“
Autsch. Das klingt, als wäre das Lob aus Versehen auf halber Strecke umgekippt.
Viele von uns machen das ganz automatisch. Wir wollen eigentlich loben, rutschen dann aber doch noch schnell ins „Aber“.
Das Problem ist: Mit dieser angehängten Kritik löschst du die Wirkung deines Lobs komplett aus. Statt sich zu freuen, hört dein Kind vor allem den zweiten Teil und denkt:
„Na toll, wieder nicht gut genug.“
Das Ergebnis: Dein Kind merkt sich nicht das „Super!“, sondern das „Warum nicht immer?“. Und plötzlich fühlt sich dein Lob an wie ein Geschenk, bei dem noch die Rechnung dranhängt.
Wenn das öfter passiert, rechnet dein Kind irgendwann schon damit, dass nach jedem Lob noch eine Kritik kommt. Es hört das Positive gar nicht mehr richtig, weil es innerlich schon auf die Einschränkung wartet. Die Folge: Lob verliert seine Wirkung. Und dein Kind die Lust, sich weiter anzustrengen.
Lass dein Lob also einfach stehen, ganz pur. Kein „aber“, kein „war doch gar nicht so schwer“.
4. Fehler: Nicht genug Begeisterung zeigen
Kleine Kinder lieben große Gefühle. Wenn du jubelst, klatschst, tanzt, singst und strahlst, fühlt sich dein Kind wie ein Superstar im eigenen Wohnzimmer.
- Je mehr Begeisterung du zeigst, desto mehr Spaß hat dein Kind.
- Je mehr Spaß dein Kind hat, desto größer ist die Chance, dass es das Verhalten wiederholt.
- So wird aus einer einmaligen Heldentat („Socken angezogen, ganz allein!“) langsam eine Routine.
Je älter Kinder werden, desto feiner wird ihr Radar für peinliche Elternmomente. In der Grundschulzeit darf dein Lob also etwas cooler und dezenter klingen. Und ja: Irgendwann ist auch der liebevoll gemeinte Kuss auf die Stirn in der Öffentlichkeit offiziell verboten.
Aber ein Daumen hoch, ein kurzes Lächeln oder ein High Five aus sicherer Entfernung funktioniert immer noch wunderbar. Hauptsache, dein Kind spürt, dass du dich freust, ganz gleich, ob du dabei jubelst oder nur leicht grinst.
5. Fehler: Die Intelligenz des Kindes loben
„Wow, du bist ja so schlau!“ Klingt nett, oder? Leider ist genau das ein Lob mit Nebenwirkungen.
Denn Kinder, die für ihre Intelligenz gelobt werden, denken schnell: „Wenn ich klug bin, darf ich keine Fehler machen.“ Und plötzlich wird jedes Missgeschick zu einem kleinen Weltuntergang.
Lobst du stattdessen den Einsatz (also das Dranbleiben, Ausprobieren und Weitermachen), lernt dein Kind: Erfolg hat weniger mit „begabt sein“ zu tun, sondern mit Übung und Ausdauer.
Ein Satz wie: „Du hast richtig lange an dem Puzzle gearbeitet – super, dass du nicht aufgegeben hast!“ gibt Orientierung und macht Mut zum Weitermachen.
Kurz gesagt: Lobe lieber die Mühe als das Ergebnis. So wächst die Motivation und dein Kind traut sich, Neues zu lernen, auch wenn’s mal nicht sofort klappt.
5 Ideen, was du im Alltag loben kannst
Hier findest du 5 einfache Ideen, was du im Alltag loben kannst. Sie helfen dir, deinem Kind zu zeigen: Ich sehe dich. Ich merke, wie du dich anstrengst. Ich freu mich über das, was du tust.
So stärkst du ganz nebenbei Motivation, Selbstvertrauen und die Freude am Lernen.
Idee #1: Sag, was genau gut war
Kinder lernen am meisten, wenn sie wissen, was sie richtig gemacht haben. Statt einfach nur „Super!“ zu sagen, kannst du beschreiben, was dir aufgefallen ist:
„Wow, du hast heute richtig ordentlich aufgeräumt – das sieht klasse aus!“
So versteht dein Kind genau, was du meinst, und kann das Verhalten leichter wiederholen. Gleichzeitig merkt es, dass du wirklich hinsiehst – das stärkt das Vertrauen und das Selbstbewusstsein.
Idee #2: Zeig, dass du den Beitrag deines Kindes siehst
Kinder lieben es, das Gefühl zu haben, gebraucht zu werden. Wenn du bemerkst, dass dein Kind etwas für andere tut – sei es für die Familie, Geschwister oder Freunde – lohnt es sich, das zu betonen.
Zum Beispiel:
„Danke, dass du deiner Schwester bei den Schuhen geholfen hast – das war richtig aufmerksam!“
Oder: „Klasse, dass du schon den Tisch gedeckt hast. Jetzt können wir gleich essen – das hilft mir total.“
So merkt dein Kind: Ich bin wichtig. Mein Beitrag zählt.
Das stärkt nicht nur das Selbstwertgefühl, sondern auch das Gemeinschaftsgefühl in der Familie.
Idee #3: Lobe die Mühe, nicht nur das Ergebnis
Wenn du siehst, dass dein Kind sich richtig ins Zeug legt, sag das ruhig laut. Es geht nicht darum, ob alles perfekt ist, sondern dass es dranbleibt.
Zum Beispiel:
„Wow, ich hab gesehen, wie sehr du dich angestrengt hast, das zu verstehen – das war echt nicht einfach!“
Oder: „Du hast dich wirklich bemüht, es beim zweiten Versuch besser zu machen. Und dann hat’s geklappt. High Five!“
So lernt dein Kind: Anstrengung lohnt sich. Es merkt, dass es nicht darum geht, sofort alles zu können, sondern Schritt für Schritt besser zu werden.
Idee #4: Lobe den Weg, nicht nur das Ziel
Wenn du dein Kind lobst, schau nicht nur aufs Ergebnis, sondern auf den Weg dorthin. Wie hat es sich organisiert? Wie ist es mit Frust umgegangen? Wie hat es eine Lösung gefunden?
Zum Beispiel:
„Ich hab gesehen, wie du Schritt für Schritt an der Matheaufgabe gearbeitet hast. Richtig gut durchdacht!“
Oder: „Wow, du hast echt nicht aufgegeben, auch als es knifflig wurde. Das war clever, wie du dir Hilfe gesucht hast.“
So merkt dein Kind: Erfolg ist kein Zufall, sondern entsteht durch Ausdauer, Ausprobieren und kluges Vorgehen. Und genau das ist die Haltung, die ihm später in Schule, Beruf und Leben hilft.
Manchmal geht es aber gar nicht um den großen Prozess, sondern um die ganz kleinen Schritte zwischendurch.
Denn auch winzige Fortschritte verdienen Anerkennung. Sie zeigen deinem Kind, dass es auf dem richtigen Weg ist.
Idee #5: Lobe die klitzekleinen Fortschritte
Lob für kleine Fortschritte ist eine großartige Möglichkeit, dein Kind auf dem Weg zu größeren Zielen zu motivieren. Anstatt nur das Endergebnis zu feiern, kannst du die kleinen Schritte hervorheben:
- „Wow, du hast dir heute ganz allein die Hose angezogen!“ (Auch wenn das Shirt noch auf links ist und die Socken unterschiedlich. Egal!)
- „Hey, klasse! Du hast dein Brot selbst geschmiert!“ (Auch wenn das Messer fast runtergefallen wäre und die Butter am Rand klebt.)
- „Super! Du hast die Zahnbürste selbst in den Becher gestellt!“ (Auch wenn das Waschbecken mit Zahnpasta verschmiert sind und die Seife runtergefallen ist.)
- „Richtig stark! Du hast schon die Bausteine in die Kiste geräumt!“ (Auch wenn 18 Autos, 13 Bücher und 8 Kleidungsstücke im ganzen Zimmer verteilt sind.)
So lernt dein Kind, dass es auf dem richtigen Weg ist und dass jeder kleine Fortschritt zählt.
10 häufige Fragen zum Loben von Kindern
Kurz gesagt: Ja, bitte unbedingt!
Zahlreiche Studien zeigen, dass Lob in der Erziehung nicht nur erlaubt, sondern sogar eine der wirksamsten Strategienist, um das Verhalten von Kindern positiv zu beeinflussen. In fast allen evidenzbasierten Elternprogrammen (also wissenschaftlich geprüften Trainings, die Familien wirklich helfen) spielt Lob eine zentrale Rolle.
Und keine Sorge: Lob ist psychologisch sicher!
Forschungen belegen immer wieder, dass Lob positive Effekte auf Motivation, Selbstwertgefühl und Ausdauer hat ([15], [17]). Kinder, die regelmäßig positives Feedback bekommen, entwickeln häufiger ein gesundes Selbstvertrauen und zeigen langfristig weniger problematische Verhaltensweisen.
Elternprogramme, die gezielt auf das Loben bestimmter Verhaltensweisen setzen, helfen nicht nur den Kindern, sondern sie entlasten auch die Eltern. Studien zeigen, dass das Stressniveau in Familien sinkt und die Beziehung zwischen Eltern und Kindern spürbar gestärkt wird.
Besonders beeindruckend: Diese positiven Effekte zeigen sich auch bei „herausfordernden“ Kindern, in schwierigen Lebenssituationen und in ganz unterschiedlichen Kulturen.
Kurz gesagt: Loben wirkt – überall, immer und für alle.
Muss ich mein Kind wirklich jedes Mal loben – fürs Hände waschen, Hausaufgaben machen oder Schuhe wegräumen? Das ist doch nichts Besonderes, oder?
Keine Sorge, du musst dein Kind nicht für immer für Selbstverständlichkeiten loben. Lob ist kein Dauerabo, sondern ein Werkzeug.
Am Anfang hilft Lob, die Motivation zu steigern und das Verhalten zu festigen. Dein Kind merkt: Ah, das lohnt sich! Und wiederholt das, wofür es gelobt wurde, häufiger.
Mit der Zeit wird aus dem gelernten Verhalten eine Routine, die auch ohne ständiges Lob bestehen bleibt. Dann kannst du das Loben nach und nach reduzieren, ohne dass die Motivation nachlässt.
Lob ist also wie eine Anschubhilfe: In der Lernphase wichtig, später immer weniger nötig.
Manchmal hat man ja fast Angst, überhaupt noch zu loben. Weil irgendwo steht, man dürfe bloß nicht das Falsche sagen.
Keine Sorge: Du kannst beim Loben kaum etwas falsch machen.
Wenn du aus dem Bauch heraus Freude zeigst und ehrlich sagst, was dir gefällt: Wunderbar! Genau so soll’s sein.
Diese drei wichtigen Punkte, solltest du beachten:
Erstens: Lob sollte niemals sarkastisch gemeint sein oder so klingen, als wolltest du jemanden aufziehen.
Zweitens: Bitte häng keine Kritik hinten dran („Warum machst du das nicht immer so?“). Das nimmt dem Lob die Kraft und verunsichert dein Kind eher, als dass es motiviert.
Drittens: Vermeide personbezogenes Lob, also Aussagen wie „Du bist so klug“ oder „Du bist der Beste“. Kinder könnten sonst denken, ihre Fähigkeiten seien angeboren und unveränderlich. Das nennt man ein „statisches Mindset“. Dann trauen sie sich oft weniger zu, weil sie Angst haben, beim nächsten Mal „nicht mehr so schlau“ zu wirken.
Besonders hilfreich ist dagegen Prozesslob, also das Loben von Anstrengung, Strategie oder Verhalten. Eine Langzeitstudie zeigte, dass Kinder, die solches Lob bekamen, ein sogenanntes „Wachstumsdenken“ (growth mindset) entwickelten: Sie blieben motivierter, hielten länger durch und standen Herausforderungen positiver gegenüber.
Also: Wenn du willst, dass dein Kind dranbleibt, sich anstrengt, nicht gleich aufgibt? Dann lobe genau das!
👉 „Du hast echt durchgehalten!“
👉 „Wow, du hast’s einfach nochmal probiert!“
Und wenn du willst, dass dein Kind Zähne putzt, das Besteck in die Spülmaschine räumt oder friedlich mit der Schwester spielt – dann lobe genau das, in dem Moment, wo es passiert!
Ein wirkungsvolles Lob beschreibt konkret, was du gut findest, klingt ehrlich begeistert und hat am besten noch eine kleine Geste dabei (ein Daumen hoch, ein High-Five oder eine Umarmung).
Kurz gesagt: Nein.
Lob zerstört keine innere Motivation – es hilft ihr auf die Sprünge.
Wenn du dein Kind konkret lobst, weil es sein Spielzeug wegräumt, seine Jacke aufhängt oder den kleinen Bruder heute mal nicht mit Banane bewirft, freut es sich und merkt: Aha, das lohnt sich!
Die Wahrscheinlichkeit steigt, dass es genau das gleiche morgen noch einmal macht (bzw. eben unterlässt).
So wird aus einem kleinen Trampelpfad im Gehirn mit der Zeit eine gut ausgebaute Autobahn. Und irgendwann läuft das Verhalten ganz von selbst – also „intrinsisch“, wie manche es nennen.
Lob ist also kein Motivation-Killer, sondern eher ein Anschubser, der Verhalten festigt, bis es automatisch abläuft.
Nein, keine Sorge. Loben ist keine psychische Manipulation, sondern schlicht: nett sein mit Wirkung. 😉
Wenn du dein Kind lobst, stärkst du sein Selbstwertgefühl, seine Motivation und seine innere Haltung: Ich kann was bewegen, wenn ich mich anstrenge!
Gewalt bedeutet, jemandem körperlich oder seelisch zu schaden – Lob dagegen ist genau das Gegenteil. Es ist eine wertschätzende Rückmeldung, die deinem Kind zeigt: „Ich sehe dich. Ich freue mich mit dir.“
Natürlich beeinflusst Lob das Verhalten deines Kindes. Aber auf eine positive, freiwillige Weise. Dein Kind entscheidet selbst, ob es das Verhalten wiederholen möchte.
Lob motiviert, während Strafen Druck erzeugen. Das eine stärkt Vertrauen, das andere Angst.
Und das ist wohl kaum gefährlich. Außer, du zählst gute Laune als Risiko. 😄
Das ist völlig normal. Wenn du bisher selten gelobt hast, kann es sich am Anfang ungewohnt oder sogar ein bisschen „aufgesetzt“ anfühlen. Besonders, wenn du versuchst, dabei auch noch begeistert zu klingen.
Aber wie bei allem im Leben gilt: Übung macht’s leichter. Mit der Zeit wirst du dich dabei wohler fühlen und das Loben wird ganz automatisch Teil deines Alltags.
Denk dran: Ein etwas unbeholfenes, aber nettes Lob ist immer besser (und wirkungsvoller!) als ein authentisches, „natürliches“ Schimpfen.
Stimmt, manche Kinder wirken, als bräuchten sie kein Lob. Sie sind von Natur aus kooperativ, hilfsbereit oder selbstbewusst. Und andere Kinder brauchen einfach mehr Lob, um sich sicher und motiviert zu fühlen.
Das hängt stark von der Persönlichkeit ab: Sensible oder schnell entmutigte Kinder tanken besonders viel Kraft aus positiver Rückmeldung. Aber auch die scheinbar „pflegeleichten“ Kinder profitieren davon, wenn du ihr Verhalten bewusst wahrnimmst und benennst.
Denn wer immer funktioniert, bekommt oft am wenigsten Aufmerksamkeit und fühlt sich irgendwann übersehen. Lob erinnert dein Kind daran: Ich sehe dich. Ich schätze, was du tust.
Wenn ein Kind gelobt wird, ist es ganz normal, dass das andere mal eifersüchtig reagiert. Wichtig ist: Lob ist kein Wettkampf. Es bedeutet nicht, dass eines „besser“ ist, sondern einfach, dass du gerade etwas Bestimmtes gesehen hast, über das du dich freust oder das du verstärken möchtest.
Jedes Kind hat eigene Stärken, eigene Herausforderungen und auch ein unterschiedliches Bedürfnis nach Rückmeldung. Manche Kinder brauchen öfter Lob, um dranzubleiben oder sich sicher zu fühlen. Andere brauchen weniger. Das ist völlig okay.
Hilfreich ist, jedes Kind für seine individuellen Fortschritte zu loben: das eine für seine Geduld beim Puzzeln, das andere für seinen Mut, etwas Neues auszuprobieren. So merkt jedes: „Mama sieht, was ich tue.“
Und wenn du betonst, wie schön es ist, wenn sie sich gegenseitig helfen oder anfeuern, dann entsteht aus potenzieller Eifersucht sogar echtes Teamgefühl. 💪
Auch Erwachsene freuen sich über Lob!
Genau wie Kinder fühlen wir uns durch Anerkennung gestärkt und motiviert. Wenn jemand bemerkt, dass wir uns Mühe geben, fühlt sich das einfach gut an.
Es müssen gar keine großen Worte sein. Oft reicht ein ehrliches, kleines „Danke, das war echt schön“ oder „Ich freue mich, dass…“.
Gerade an stressigen Tagen tut es gut, wenn jemand sieht, was wir leisten, egal ob im Job, in der Familie oder in der Partnerschaft. Dieses kleine bisschen Wertschätzung kann richtig viel bewirken.
Im Alltag: „Man hat das gut geschmeckt. Danke, dass du gekocht hast.“
Im Haushalt: „Oh, der Müll ist ja schon unten. Danke!“
Berufliche Anerkennung: „Echt stark, wie du das durchgezogen hast. Man merkt, da steckt richtig Arbeit drin.“
Emotionale Unterstützung: „Danke, dass du mir zugehört hast. Mir ging’s vorhin echt nicht gut, jetzt geht’s wir schon besser. Wirklich, das ist so viel wert.“
Fazit: Loben ist so wichtig!
Lob ist eines der kraftvollsten Werkzeuge in der positiven Erziehung. Es kann nicht nur das Verhalten deines Kindes positiv beeinflussen, sondern auch sein Selbstvertrauen stärken und eure Bindung vertiefen.
Egal, ob es um kleine Fortschritte oder große Erfolge geht – gezieltes, konkretes Lob macht den Unterschied. Es hilft deinem Kind zu lernen, gibt Orientierung und ermutigt, dranzubleiben.
Mit der Zeit wird Lob ganz selbstverständlich Teil eures Alltags werden und eine positive, wertschätzende Atmosphäre schaffen. Nutze es, um dein Kind zu stärken und um euch als Familie noch enger zusammenzubringen.
Lob ist jedoch nur ein Teil eines größeren „Werkzeugkastens“ der Erziehung. Um nachhaltige Veränderungen zu erreichen, lohnt es sich, positives Feedback mit anderen bewährten Strategien zu kombinieren:
- Aufgaben und Anweisungen klar und freundlich formulieren oder als Spiel verpacken
- Aufgaben in kleinere Schritte teilen und Fortschritte loben
- Neues Verhalten spielerisch durch Trockenübungen oder Rollenspiele üben
- Statt „nicht“ sagen und schimpfen, lieber positive Gegenteile loben
- Belohnungssysteme sinnvoll und liebevoll einsetzen
Literatur und Quellen
Kazdin, A.E. & Rotella, C. (2008). The Kazdin Method for parenting the defiant child: With no pills, no therapy, no contest of wills. Boston: Houghton Mifflin.
Kazdin, A.E., & Rotella, C. (2013). The everyday parenting toolkit: The Kazdin Method for easy, step-by-step lasting change for you and your child. Boston: Houghton Mifflin Harcourt.
Mackenzie, R. J. (2013). Setting limits with your strong-willed child, revised and expanded 2nd edition: Eliminating conflict by establishing CLEAR, firm, and respectful boundaries. Harmony/Rodale.
Corpus, J. H. & Good, K. (2020). The effects of praise on children’s intrinsic motivation revisited. In Routledge eBooks (S. 39–46).
Dordevic, M. (2014). Helping Children Build Inner-Driven Self-Esteem by Turning Praise into Encouragement. Journal Of Psychology & Clinical Psychiatry, 1(6).
Drews, R., Tani, G., Cardozo, P. L. & Chiviacowsky, S. (2020). Positive feedback praising good performance does not alter the learning of an intrinsically motivating task in 10-year-old children. Motricidad, 45, 46–54.
Mueller, C. M. & Dweck, C. S. (1998). Praise for intelligence can undermine children’s motivation and performance. Journal Of Personality And Social Psychology, 75(1), 33–52.
Fullerton, E. K., Conroy, M. A. & Correa, V. I. (2009). Early Childhood Teachers’ use of Specific Praise Statements with Young Children at Risk for Behavioral Disorders. Behavioral Disorders, 34(3), 118–135.











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